BRASIL

2001-2005


Die Fotografien aus der Serie „Brasil“ stehen für meinen Versuch,
abstrakte Bilder anhand gegenständlicher Darstellung herzustellen.

Bilder ohne Wörter

Wie kann ich Dinge aus ihren vorgegebenen Bedeutungszusammen-
hängen herauslösen, um sie in ein selbstbezügliches Bild zu übersetzen? Wie kann das fotografierte Objekt aus seinem Kontext befreit werden, um als solches, in seiner Gestalt, ohne hineingegebene Wertungen und Bedeutungen gesehen zu werden? Wie kann es als Form im Raum nur von seiner Form und seinem Bezug zu Raum und Farbe sprechen, ohne eine verbale Ebene aufzumachen? Kann ein Bild, das nichts illustriert, erklärt oder kommentiert als sich selbst, seine Eigenbezüglichkeit/Eigenrealität zeigen?! Kann man wahrnehmen, dass man selbst es ist, der den Sinnzusammenhang zur eigenen Lebenswelt aufbaut, dem Visuellen die Wörter mit ihren Bedeutungen hinzugibt?


Wenn ich glaube, dass ich verstehe, was ich da sehe, gehe ich zum nächsten.

Wenn ich davon ausgehe, dass Kontextualisierung von Gesehenem rationale Befriedigung auslöst, die in Folge den visuellen Abtastvorgang abbricht kann ich durch das Weglassen verbaler Anknüpfungspunkte (im Sinne von Zeichen, die auf unsere Lebenswelt deuten), die visuelle Auseinandersetzung mit dem tatsächlich Sichtbaren vertiefen. Die Zeitspanne des Schauens wird länger. Der Geist will sich abwenden, weil er keinen Kontext aufbauen kann, kann aber das Gesehene nicht als irrelevant abtun, da er es als gegenständlich, also real identifiziert. Er muss sich damit abfinden, dass es nur das zu sehen gibt, was das Bild anbietet. Findet der Verstand keinen Halt in verbalen, narrativen Inhalten, wird er beginnen seine Empfindungen auf das Gesehene hin zu befragen. Ein Bild kann so zum Spiegel der eigenen Wahrnehmung werden, wenn der Anspruch des Verstandes, alles erklären zu müssen, sich selbst vorführt.
Hier sehe ich im abbildenden Charakter der Fotografie, mit dem immer vorhandenen Bezug auf ein tatsächliches Gegenüber, eine Chance zur Wahrnehmungs- und Weltbefragung. Eine Eigenschaft, die im Medium selbst angelegt ist.

Ortlosigkeit

Brasiliens Farb- und Formensprache begegnet mir immer wieder als Rätsel. Mein Staunen über das Vorhandene, half mir genauer auf die Gestalt der Dinge selbst einzugehen.
Brasilien ist für mich immer ein Land der Sehnsucht gewesen. Die Serie „Brasil“ steht für meine gescheiterte Suche nach einem Gegenüber, einem Prinzip, einer Logik meiner Umwelt. Sie dokumentiert die Begegnung mit Dingen in Situationen, die mich magisch anziehen. Manche Begegnungen lassen sich in ein Foto transformieren. Die Bilder behaupten eine Möglichkeit. „Brasil“ ist eher eine Sammlung, die eine Frage einkreist, als diese zu beantworten, daher vielleicht der Eindruck der Unvollständigkeit. In gewisser Weise sehe ich mich als Chronist der vorgefundenen Dinge und Orte.

Die Arbeit umfasst zur Zeit 43 Fotografien.

Juli 2006

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The photographys from the work BRASIL stand for my effort to produce abstract pictures through representational exposure.

Picture without words. No context but a geographical.

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